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Eine Atmosphäre, die einfach nur Freude machte

Die konzertanten Wertungsspiele in Breitenbrunn gingen reibungslos über die Bühne.

Von Eva-Maria Frieder

 

Nicht nur die Oberkammlacher Dorfmusikanten (hier im Bild) konnten bei ihrem Auftritt vor der Jury mit ihren Stücken glänzen.

Foto: Frieder

 

Das Wetter war traumhaft, die Stimmung zugleich heiter und hochkonzentriert, der Saal ansprechend dekoriert, die Organisation perfekt. Das 43. Bezirksmusikfest steht schon jetzt unter einem guten Stern.

1600 aktive Musiker aus 37 Blaskapellen und Scharen von Zuhörern bevölkerten am Wochenende das Haus der Vereine in Breitenbrunn. Die konzertanten Wertungsspiele des Allgäu-Schwäbischen Musikbunds (ASM), die im Vorfeld des Bezirksmusikfestes stattfanden, gingen reibungslos über die Bühne – alles andere als eine Selbstverständlichkeit bei einem solchen Großereignis. Den Breitenbrunner Musikanten verlangte die Vorbereitung, die bereits seit anderthalb Jahren läuft, das Letzte ab. Dass alles so perfekt klappte, ist ihrem professionellen Einsatz zu verdanken. Sie hatten an alles gedacht, von der Verpflegung über die Bereitstellung der Einspielräume bis hin zu den Blumensträußen für die Ehrengäste.

Damit alle 37 Kapellen an zwei Tagen mit ihren Pflicht- und Selbstwahlstücken bewertet werden konnten, war ein enger Zeitplan und damit Disziplin vonnöten. Daran hielten sich auch die Zuhörer. Während der Auftritte hätte man eine Stecknadel fallen hören können.

Die Urteile der Jury waren „streng, aber nachvollziehbar“

Die sechs Wertungsrichter – darunter solche Kapazitäten wie Professor Fritz Weyermüller aus Tirol, ehemaliger Chef des österreichischen Blasmusikverbandes – urteilten „streng, aber nachvollziehbar“, wie Martin Jall vom ASM-Vorstand feststellte. Seit der ASM die offene Wertung eingeführt hat, haben die Wertungsspiele einen ungeahnten Aufschwung genommen. Direkt nach dem Auftritt setzt sich jeweils ein Wertungsrichter mit dem Dirigenten zusammen und bespricht die Leistung des Orchesters.

Keiner lässt sich gerne kritisieren. Da kommt es immer auch auf den Ton an. Roman Albrecht, Dirigent der Blaskapelle Unterkammlach, zeigte sich danach geradezu begeistert: „So ein gutes Dirigentengespräch habe ich noch nie erlebt. Wir haben ungeheuer viel profitiert. Da war große Erfahrung und Kompetenz zu spüren und gleichzeitig eine sehr menschliche, feinfühlige Art.“

Albrechts Gesprächspartner, der Südtiroler Landeskapellmeister Josef Feichter, amtierte zum ersten Mal beim ASM als Juror. „Nachdem ich zugesagt hatte“, sagt er, „war ich erst mal erschrocken, als ich gesehen habe, wie viele Teilnehmer und was für ein enger Zeitplan mich erwarten.“

Juroren sind sich ihrer hohen Verantwortung bewusst. Der Schrecken habe sich aber schnell in Anerkennung und Freude verwandelt: „Hier ist alles super organisiert und läuft in einer Atmosphäre ab, die einfach nur Freude macht.“ Feichter sieht bei den Teilnehmern „viel sicht- und hörbares Potenzial. Alle sind gründlich vorbereitet.“

Die Aufgabe der Jury beinhalte eine hohe Verantwortung: „Ich muss das richtige Maß finden zwischen Zuspruch einerseits und dem Griff in die Tippkiste andererseits. Und die richtigen Worte dafür.“ Bei den Unterkammlachern scheint ihm das hervorragend gelungen zu sein. Unter den teilnehmenden Kapellen kamen allein 22 aus dem Bezirk 10. Von außerhalb kamen 15 – ein Zeichen, dass die Qualität der Veranstaltung geschätzt wird. Sogar Musiker aus Ungarn waren angereist: das Blasorchester Csolnok, das mit der Musikvereinigung Thannhausen befreundet ist.

Moderne Wertungsspiele lassen sich mit denen von früher nicht mehr vergleichen. Der Breitenbrunner Willi Preschl, der seit 40 Jahren an vorderster Front im ASM mitarbeitet und mittlerweile Ehrenbezirksvorsitzender ist, erinnert sich: „Damals war es keine Seltenheit, dass die Auftritte im Festzelt oder in der Kirche stattgefunden haben. Alles war viel einfacher, weniger professionell. Die Wertung war geheim, die Urkunden haben wir noch mit der Hand geschrieben.“

Preschl findet die Spiele heute zwar extrem aufwändig, aber viel interessanter: „Die Bewertung ist strenger geworden, aber auch durchschaubarer. Ein Rang mit Auszeichnung ist sehr schwer zu erreichen.“ Wie viele Teilnehmer das geschafft haben, und wie die Ergebnisse insgesamt aussehen, wird die MZ in ihrer morgigen Ausgabe veröffentlichen. Jetzt fiebern die Blasmusikfans dem eigentlichen Fest vom 1. bis 4. Juni entgegen.